Donnerstag, 7. Januar 2016

Das kleine Hunde-ABC der Höflichkeit



Hier ein kleiner Artikel, den ich vor einiger Zeit für meine alte Hundeschule in Deutschland geschrieben habe. Viel Spaß beim Lesen!

Das kleine Hunde-ABC der Höflichkeit

A wie „An der Leine“
Es gibt viele Hunde, die es vorziehen, an der Leine „in Ruhe gelassen zu werden“. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben! Beispielsweise sind viele erwachsene Hunde mehr an den vielfältigen Gerüchen, Abenteuern mit ihren Haltern oder Geschehnissen in ihrer Umwelt interessiert als an einem Spiel mit ihren Artgenossen. Das ist mit uns Menschen vergleichbar, denn auch wir spielen im Kindesalter häufiger und intensiver aber als Erwachsene neigen wir alle zu etwas mehr Distanz.
Einige Hunde, die schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht haben, können große Angst vor stürmischen oder zu nahen Hundebegegnungen haben. Für diese Hunde kann es eine äußerst beklemmende Situation werden, wenn viele Hunde auf engem Raum zusammenkommen und sie keine Ausweich- oder Rückzugsmöglichkeiten haben. Die Angst eines Hundes (wie bei ängstlichen Kindern) sollte ernst genommen werden und der Halter sollte ihn aktiv aus der beängstigenden Situation rausnehmen, indem er ihn als Hilfestellung zum Beispiel in einem Bogen um den „Angstfaktor“ herumführt oder die Richtung ändert. Am besten bringt sich der Halter dabei selbst zwischen den Hund und das angsteinflößende Hindernis oder Objekt. Die Leine kann vielen ängstlichen Hunden (besonders in schwierigen Situationen) zu einem größeren Sicherheitsgefühl verhelfen, da sie noch mehr mit ihrem Halter „verbunden“ sind und ihn als „Rückendeckung“ wahrnehmen.

Alte, kranke (beispielsweise HD – Hüftgelenksdysplasie, Rückenprobleme, verletzte Pfote etc.) oder frisch operierte Hunde, z.B. nach einer Kastration o.Ä. möchten meist ebenfalls lieber an der lockeren Leine ohne Hundekontakte geführt werden.
Desweiteren kann sich ein Hund noch im Ab-/ Rückruftraining befinden, das heißt, dass der Hund gerade erst lernt, zuverlässig auf das Heranrufen zurückzukommen. Damit unerwünschte Hundebegegnungen aufgrund von mangelhaftem Zurückkommen des Hundes verhindert werden können, wird der lernende Hund daher zur Sicherheit von seinem Halter an der Leine (oder Schleppleine) geführt.
Hunde können sich an der Leine keineswegs so verhalten, wie sie es im Freilauf täten, z.B. hundetypisch kommunizieren und ggf. fliehen oder einen Bogen laufen bzw. ausweichen. Dies ist ein Grund, warum viele Hunde an der Leine aggressiver auf Andere reagieren können, wenn ihr persönlicher Individualabstand unterschritten wird.
Auch Menschen können Angst vor freilaufenden Hunden haben und sollten vor aufdringlichen Hundekontaktaufnahmen geschützt werden. Zudem gibt es durchaus Menschen, die weniger Sympathien für Hunde hegen als wir es tun und keinen Wert auf eine „hündische“ Begrüßung legen. Diese Gefühle sollten ebenfalls respektiert werden.
Jeder Hund und sein Halter haben ein Anrecht auf ihren individuellen Abstand zu anderen Hunden (und ihren Haltern) und sollten die Wahl haben, ob sie diesen nutzen oder Hundebegegnungen zulassen möchten!

B wie „Bitte, um Höflichkeit“
Es ist hilfreich, seinen eigenen Hund in der Nähe eines angeleinten Hundes oder auch bei nahenden Spaziergängern, Joggern oder Radfahrern zu sich zu rufen und wenn möglich, absitzen zu lassen oder ruhig bei sich zu behalten. Dies kann dem häufig aufgeregten Hund durch die Gabe von schmackhaften Leckerlies (Käse, Wurst, Hühnchen etc.), die Ablenkung mit einem beliebten Spielzeug (Ball, Stock usw.) oder einem Richtungswechsel bzw. Ausweichen erleichtert werden. Die Ablenkung dient in diesem Fall dazu, dem Hund eine Alternative aufzuzeigen, wie er sich in dieser Situation stressfreier verhalten kann. Nähert sich ein anderer Hundehalter, könnte dieser nach Möglichkeit höflich und in sicherem Abstand gefragt werden, ob der angeleinte Hund an einer Hundebegegnung, ohne Leine, interessiert ist. Sollte dies der Fall sein, können beide Hunde in angemessenem Abstand und möglichst zeitgleich abgeleint werden und sich kennenlernen, spielen usw. Bei einer direkten Begegnung zwischen Hunden, z.B. beim Spielen, sollten möglichst sämtliche Spielzeuge oder Leckerlies weggepackt werden, da es sonst zu ernsthaften Streitereien bis hin zu Beißereien kommen kann - bei der jegliche Hundefreundschaft von eben schnell vergessen wird.

Auch freilaufende Hunde bevorzugen eine langsame, höfliche Kontaktaufnahme eher als umgerannt zu werden. Insbesondere unerfahrene Junghunde neigen häufig dazu, etwas stürmisch vor Freude in andere Hunde „hineinzurennen“. Begegnungen zwischen geschlechtsreifen Hunden - falls diese überhaupt gewünscht werden - sollten ebenso langsam und kontrolliert ablaufen, um mögliche hormonbedingte Eskalationen zu vermeiden. Insbesondere geschlechtsreife Rüden bilden während der „Pubertät“ ein verstärktes Konkurrenzempfinden aus.
Dies gilt ebenfalls für die Annäherung von fremden Hunden in bereits bestehende Hundegruppen. So kann beispielsweise ein einzelner Hund in eine bereits bestehende Spielgruppe viel Unruhe durch die neu entstandene Konstellation hineinbringen. Dies kann dann zu Raufereien führen, die durchaus mit Verletzungen verbunden sein können.
Im besten Fall sollte der Halter seinen Hund in jeder Situation zuverlässig abrufen können - oder zumindest darum bemüht sein, dies zu lernen - und sollte sich (vorher) überlegen, wodurch sich der eigene Hund in schwierigen oder aufregenden Situationen ab-/weglenken lässt! Selbst, wenn der eigene Hund noch so harmlos und friedlich ist, gibt es dennoch genügend Hunde, die, durch welche Lebensumstände auch immer, nicht so verträglich sind und/ oder friedfertig reagieren können.
Ein respektvoller Umgang und eine höfliche Kontaktaufnahme zwischen den Hundehaltern und ihren Hunden können manch schlechte Erfahrung in einem Hundeleben ersparen!
Gerade in Bezug auf Hundebabys ist zwingend zu erwähnen, dass es keinen sog. Welpenschutz gibt! Viele erwachsene Hunde sind eher von den oftmals aufdringlichen Welpen genervt und können schnell ihren Unmut darüber in Form von zu groben Zurechtweisungen der Kleinen zeigen. Dies kann zu ernsthaften Bissverletzungen der Welpen führen! Des Weiteren werden junge Hunde häufig durch erwachsene Hunde schwer verletzt, wenn es um Spielzeuge, wie Stöckchen oder Bällchen etc. geht.
Jeder sollte somit Rücksicht auf die eigenen Nerven und die seines Hundes sowie die Nerven anderer Menschen und Hunde nehmen und lieber eine Hundebegegnung weniger als zu viele zulassen!

C wie „Chihuahuas und Co.“
Winzige und kleine Hunde haben es deutlich schwerer, sich, z.B. im Spiel, gegen größere und schwerere Hunde durchzusetzen. Sie können ihnen im wahrsten Sinne des Wortes wenig körperlich entgegensetzen. Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass bei kleinen Hunden der ganze Hundekörper - insbesondere der Knochen - viel feingliedriger und dünner aufgebaut ist. Dementsprechend können die Knochen (Wirbelsäule, Beine etc.) viel schneller brechen als bei großen Hunden! Bei zu rauem Spiel können bei einem winzigen oder kleinen Hund deutlich schneller Körperteile oder innere Organe/ Weichteile verletzt werden.
Wichtig ist, den kleinen Hunden den Schutz zu bieten, den sie brauchen! Dazu kann es hilfreich sein, den Kleinen direkt aus der Situation zu nehmen; sei es auf den Arm hoch oder, dass man sich zu ihm herunter begibt und ihn „abschirmt“. Ein größerer Hund kann auch ohne Absicht und aus Versehen beim Spielen – besonders bei jungen, noch tapsigen Hunden – auf den Kleinen treten und ihn dabei schwer verletzen.
Zudem werden kleine Hunde oft von anderen Hunden für Beutetiere gehalten. Da sie sehr klein (2-4kg) sind und häufig Haken, wie ein Hase o.Ä. schlagen, können sie versehentlich ergriffen und geschüttelt werden. Dies kann für kleine Hunde tödlich sein!

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